Donnerstag, 30. Oktober 2008
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Sitze auf dem Heimweg von Tokyo im Shinkansen. Um mich herum schlafen die Leute oder zerlegen genuesslich ihre Vesperboxen. Rechts von mir zelebriert ein aelteres Paar ein gediegenes Besaeufnis mit Sekt und Wein und nascht dazu wiederliche Gerueche verbreitende Muscheln aus der Tuete. Einschub: nachdem sie gereade ihren Weinbecher durch den Zug katapultiert haben, befinde ich, dass sie fuer heut genug haben sollten. Mit meinem Kollegen Nishimoto-san links habe ich mich bis jetzt ganz gut unterhalten. Sind beide der Ansicht, dass Deutschland und Japan gar nicht so unterschiedlich sind (er hat eine Weile in Renningen (where the f***?) gelebt). Und nachdem er noch die Vielarbeitsmentalitaet seines Volkes kritisiert hat, ist er mir jetzt auesserst sympathisch. Aber nun schlaeft auch er und ich kann den heutigen Tag rekapitulieren. Nachdem ich laenger zwischen Option ‚lange schlafen’ und Option ‚Tokyo erleben’ geschwankt habe, habe ich mich entschlossen doch die Chance noch mal zu nutzen und bin um 8 gen Hauptstadt aufgebrochen. Der Fakt, dass ich meine Kamera vergessen habe, beweist, dass es doch noch etwas frueh fuer mein muedes Hirn war. Spaetestens der harte Zugboden aber hat mich vollends geweckt. Sparsam und bescheiden wie ich bin, habe ich naemlich ein Ticket ohne Sitzplatzreservierung gekauft und hab dann natuerlich prompt keinen freien mehr gefunden. Aber man ist ja noch jung. Es waren ja auch nur 1,5 Stunden und ich bin wohlbehalten angekommen. Als Ziel hatte ich mir Shibuya ausgesucht, das Viertel, in dem in Japan die Trends gesetzt werden. Musste feststellen, dass ich wohl nicht zum Trendsetter geschaffen wurde. Kam mir naemlich etwas Fehl am Platz vor, unendlich spiessig und war erst mal hauptsaechlich damit beschaeftigt mich nicht zu verirren. Das erste Gebaeude, das ich betreten habe war das beruehmte ‚Shibuya 109’. War schwer erstaunt, dass ich da ohne Hotpants und Highheels ueberhaupt Zutritt hatte. Die Laeden in diesem Kaufhaus waren dementsprechend auch nicht ganz mein Fall. Viel Pink und Glitzer und laute Trash-Musik haben mich schnell wieder vertrieben. Erst als ich mich nach einer Weile dann etwas orientieren konnte und in kleinere Strassen vorgedrungen bin, habe ich dann auch geschmackvollere Einrichtungen gefunden. Leider war durch den Kauf den Zugtickets quasi mein ganzes Bargeld dahin und weit und breit war natuerlich kein Bankautomat zu finden, der mit meiner deutschen Visakarte klar kam. So ganz unfluessig dazustehen ist wirklich eine unschoene Erfahrung. Naja, ein Mittagessen musste trotz allem irgendwann her und da ich zufaellig einen der wenigen japanischen Doenerstaende passierte, beschloss ich dessen Werk auch mal noch zu probieren. Der Besitzertuerke hat mich zwar mit deutschen Wortern wie ‚Bitteschoen’ und ‚Guten Appetit’ verwoehnt (wie hat er mir meine Herkunft angesehen?), aber mein Fazit war, dass deutsche Tuerken bessere Doener machen als die japanischen! Das ist also die Revanche fuer den guten japanischen McDo. Jo, bis ich um halb 3 dann Inagaki zum Pre-Meeting im MMC Headquarter getroffen habe bin ich noch weiter rumgebummelt und hab weitere Geldautomaten ausprobiert. Um halb 4 war dann das offizielle Meeting bei der Japanese Automotive Manufacturer Association. Der englische Part war ganz interessant, aber irgendwann wurde auf Japanisch weiterdiskutiert, was weniger spannend war. Naja, immerhin ist die Sache dann wieder fliessend in ein Zusammensein bei Speis und Trank uebergegangen. Das war dann auch wieder nett, weil alle beteiligten relativ deutschlanderfahren waren und so hatten wir genug zu diskutieren. Um ueberhaupt wieder nach Hause zu kommen musste ich mir dann peinlicherweise noch Geld von Inagaki leihen, aber ich glaube es hat ihm zum Glueck nicht viel ausgemacht. Jo und jetzt kuendigt die nette Dame schon an, dass wir demnaechst in Nagoya halten. Und Tschuess!
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